Die Schreibweise ist irrelevant. Die Kritik befürchtet, dass die Texte baufällig werden und die offiziellen Schreiben bald so schlampig wie eine Kurzmitteilung sein werden. Vor drei Jahren beispielsweise machte ein Aufsatz in Großbritannien für Aufsehen gesorgt. Eine Frau hatte ihren Schriftzug mit vielen Kürzeln aus den Multiplikationstabellen der Handy-Sprache verziert. Wir konnten dann über den SMS-Wahnsinn und den Ablauf der Schreibweise nachlesen.
"Aber es ist nicht so, als hätten wir eine kristallklare Ausdrucksweise und die Technologie hätte alles ruiniert", sagt der Linguist Michael Tewes. Im Rahmen des Deutsch-Seminars an der Uni Hannover befasst er sich mit dem Thema Sprachen und Kommunizieren in neuen medialen Kontexten. "Er sagt, die SMS- und E-Mail-Sprache war eine echte Bereicherung".
Smileys, zum Beispiel, machen es möglich, dass man beim Lesen von Texten Gefühlen zeigt. Sie sind bereits in handschriftlichen Lettern, bemerkt Tewes. Andere Arten des SMS-Verkehrs haben sich auch in offizielle Briefe geschlichen. Chat-Räume sind auch kurz und bündig. "N8 bedeutet "Nacht", *Liebeskuschel* steht für "Ich kuschle dich liebevoll."
"Seither haben einige Menschen alles in Kleingedrucktes geschrieben, sogar in E-Mails. Ob das auch Einfluss auf das Briefschreiben hat, wäre interessant", sagt Tewes. Die meisten Menschen können im Augenblick jedoch sagen, ob sie einen amtlichen Brief oder eine SMS verfassen. Sie stellen sich darauf ein, ob sie auf Schreibweise, Sprache und Aussprache achten oder einfach so in den Sinn kommen.
Die SMS "Hi lutz, comm späta. lg p." wird in dem Schreiben "Liebe Freundinnen und Freunde, ich werde es etwas später sein.