Polen Mentalität

Polnische Mentalität

Europäisches Denken: Weshalb Pole Zombies und Großvampire liebe volle Zombies und Großväter heißen Auf dem Foto der Polin Maria Janion ist sie in ihrem Studium in Warschau zu erkennen. Hundert Bücher sind in den Gestellen um sie herum aufbewahrt, die nahe beieinander liegen, und wer mit den Werken des romantischen Forschers zu tun hat, wird in erster Linie die Bücher russischer Nationalpoeten des neunzehnten Jahrhundert wie Adam Mickiewicz und Zygmunt Krasi?ski oder die ethnographischen Untersuchungen zur Slawenkultur von Kasimierz Moszy?ski verdächtig finden.

Die Tatsache, dass Maria Janions private Bibliothek auch Originale der Werke von Georges Bataille, Michel Foucault, Gilles Deleuze, Roland Barthes, Edward Said und Slavoj Zi?ek enthält, mag für einen Literaturwissenschaftler nicht verwunderlich erscheinen. Wie sehr dieser Wissenschaftler als europäischer Intellektueller angesehen werden kann, beweist die heute achtundachtzigjährige Maria Janion, die von 1945 bis 2010 an Hochschulen und Hochschulen in ?ód?, Gdansk und Warschau arbeitete, also den längsten Zeitraum ihres Lebens als Forscherin hinter dem Eisenvorhang dagestanden und arbeiteten.

Sei es der Ringen um das Recht auf Schwangerschaftsabbruch oder eine Auseinandersetzung mit der Quasi-Religion, die in Polen nach dem Schlag des Smolensker Flugzeugabsturzes entstanden ist, Maria Janion betrachtet auch heute noch die soziale und politische Dynamik in ihrem Heimatland, untersucht seine Kulturphantasmen und wird von der jungen Bevölkerung hochgeschätzt.

Der Essayband der Schriftenreihe "Thinking and Knowledge" des Deutsch-Polnischen Instituts in Darmstadt war daher längst fällig. Polen, das kann man von Januar erfahren, war schon immer sowohl West als auch Ost zur gleichen Zeit, auch wenn die allgemeinen Ideen des Landes größtenteils auf "West" ausgerichtet waren und versuchten, sich vom "Ost" zu trennen.

Für die romantische Lyrikerin des neunzehnten Jahrhundert, vor allem für Adam Mickiewicz, war dieser Konflikt zwischen den Kardinalpunkten eine Quelle der Motivation. Vor allem in einer Zeit, in der Polen seine Souveränität an Preußen, Rußland und Österreich verlor und der Jänneraufstand von 1831 fehlgeschlagen war, fanden Autoren und Kunstschaffende das Auswärtige für sich: Sie schwärmten die Vergessenen, Unterdrückten, antilateinischen, slawischen Volkskulturen und bildeten die geistige Gegensitzkultur ihrer Blütezeit und damit den roman -tischen Entstehungsmythos, der auch heute noch in der pfälzischen Kulturgeschichte arbeitet.

Das bekannteste und von ihm am ausführlichsten analysierte ist das Werk Magnum der polizeilichen Nekromantie, das Schauspiel "Dziady" von Adam Mickiewicz. Der Hauptdarsteller Konrad intoniert im dritten Teil, den der Poet 1832 in seinem Dresdener Verbannungsgebiet verfasst hat, ein patriotisches, hasserfülltes Vampirlied, das in der tschechischen Fachliteratur unübertroffen ist: "Mein Lied war schon im Grab, war schon abgekühlt, -/ Als es donnerte - noch blutdurstiger, / Und steht auf in der Gestaltlosigkeit eines Vampers:/ Und verlangst des Blutes, nach dem des Blutes, nach dem des Blutes.

Sei es bei Gott, sei es ohne Gott -/ Revanche, Rachefeldzug, Rachefeldzug, Rachefeldzug gegen den Gegner! "Mickiewicz soll nicht nur selbst an Gespenster gedacht haben, sondern auch die volkstümliche Fachliteratur seiner Zeit kennengelernt haben. Darin entdeckte er den Nahkampfvampir als Gestalt für die gewissenlose Strafe. Polen, so die Meinung, ist durch die Trennungen besonderen Leiden und Ungerechtigkeiten ausgeliefert und wird durch das Übel belästigt, weil es von Gott erwählt wurde - als Opferung für andere sinnige und schlechte Menschen, wie vor allem Russland und Deutschland.

Die Polen hätten sich nach Janions Worten manchmal vom Messikkorsett lösen können: "Die duale Verfassung der Polen - hin- und hergerissen zwischen dem Befehl der Liebe und ihren Rachefühlen an den rechtschaffenen Kreuzfahrern; die idyllischen Sklaven, deren angeborener Liebenswürdigkeit auf die härteste Bewährungsprobe stellte - wurde so vorübergehend in der Beherrschung des Übels, den Outlaws in der Gestalt des Vampirs, suspendiert.

"Maria Jánion war wie die Romantikerinnen an Übertretungen fasziniert. Januarion wurde auch von der ersten Streikwelle der Arbeiter und Proteste in Polen im Jahr 1981 erfasst, sah aber für die Website www nur dann eine Chance auf Erfolg, wenn sich die sich von den landesweiten Sensibilitäten und gemeinsamen Klischees befreite Belegschaft emanzipiert hat. Analog zur romantischen Epoche sagte er damals, dass es "notwendig sei, Gefühlsenergie in eine geistige Aktivität umzuwandeln".

Dieser Behauptung schien der aus Polen stammende Poet Miron Bia?oszewski zu entsprechen. Auf dass Miron Bia?oszewski nicht auftaucht! Das berühmte Terminkalender "Memories of the Warsaw Uprising" beschreibt die noch nie dagewesene Vernichtung der Landeshauptstadt durch die deutschen Streitkräfte im Jahr 1944 - allerdings nicht aus der Sicht eines Mitglieds der russischen Underground-Armee, sondern mit den Blicken eines Zivilen.

Bia?oszewski, der 1982 verstorbene Künstler, der in seiner Ferienwohnung ein eigenes Haus leitete, Gedichte und Prosas geschrieben hat, wird im angelsächsischen Sprachraum erst nach und nach erschlossen. Erfreulich ist, dass in diesem Buch auch Maria Janions großartiger Bia?oszewski Essay "Krieg und Form" von 1976 enthalten war. Das Terminkalender von Bia?oszewski ist eine der herausragendsten Kriegsgeschichten des zwanzigsten Jahrhundert.

Das sollte man wissen, nicht nur, weil am Tag des Aufstandes in Warschau am gestrigen Tag das 70-jährige Bestehen des Aufstandes gefeiert werden soll. Auch, weil Bia?oszewski nach Janions Worten die heroisch-artyrologische Sichtweise zugunsten einer Phhänomenologie des Kriegsalltags vernachlässigt: "Das bedeutendste Merkmal der anhaltenden, durchgehenden Bürgerbewegungen ist das Wettrüsten. Es gibt kaum ein anderes Buch in der tschechischen Fachliteratur, das die Namen und Klassifikationen der verschiedenen Typen von Zivilrassen im Kriegsfall mit einem so unerschöpflichen Erfindungsgeist darstellt.

"Janions Diagnose einer "paradoxen poskolonialen Polnermentalität ", die sich in einem "weitverbreiteten Gefüge der Unterlegenheit gegenüber dem "Westen"", verbunden mit "Stolz auf besonderes Leid und Verdienst" und einer "Mission im Osten", äußert, ist von hoher Aktualität. Als zwei feindliche Kräfte innerhalb des Slawismus verstand die Romantik Rußland und Polen nach widersprüchlichen Prinzipien: " Befreiung " und " Gewaltherrschaft ".

An dieser Stelle finden sich die wesentlichen Gründe für den Bruch, die Beschämung und die seit Jahrhunderten empfundene Schwachstelle, meint Janion. Daß es bei der 1926 geborene Maria Janion auch eine frauenfreundliche Sichtweise war, die die kritische Auseinandersetzung mit dem Heldentum Polens und ihr antihegemonisches Gedankengut möglich machte, hätte durch die Wahl der Essays in diesem Sammelband noch verdeutlicht werden können.

Schließlich werden Janions Texte von überzeugten polnischen Frauenrechtlern wie Kazimiera Szczuka als Basistexte betrachtet. Auch ein thematischer Schwerpunkt in Janions Nachlass, die polnisch-jüdische Beziehung, wird dank des Vorwortes der Potsdamslawistin Magdalena Marsza?ek angemessen anerkannt. In " Die Pole und ihre Verwandten " findet sich eine der großen Persönlichkeiten und Zeitzeugen des zwanzigsten Jahrhundert, die durch ihren breiten Denk- und Erfahrungshorizont in den verschiedenen Politiksystemen bis heute das Kultur- und Geistesleben Polens bereichert haben.

Dr. Stephanie Peter ist eine der renommiertesten Polnisexpertinnen Polens. Das " Alphabet der Wunder Polens " und das Werk " Meine Bücherei Polens " (Suhrkamp) wurden von ihr herausgegeben.