Versehentliche Schwangerschaft: Immer mehr polnische Frauen haben in Berlin Abtreibungen - Berichtsseite
Der Name einer Frau im Telephonbuch würde nicht herausstechen. Außerdem ist es vielleicht weniger schwierig, eine Mutter um Unterstützung zu fragen. Deshalb nennen sie sich Ciocia Basia, also Barbara. Tantchens Mobiltelefon läutet etwa einmal am Tag. Am anderen Ende ist immer eine weibliche Stimme zu sehen. "Und stets lautet die Aussage der Mutter, die jeder gerne hört, der nicht weiter weiß: "Es wird alles gut werden.
"Jedes Jahr kommen mehrere hundert, wenn nicht sogar tausend polnische Frauen nach Deutschland, um eine Abtreibung durchzuführen. Auch Polen hatte bis 1993 ein Abtreibungsrecht, das seitdem aber unter dem Einflus der Katholiken immer mehr eingeengt wird. Telefonisch versprechen die Tanten den Frauen die Hilfe, die sie zu Haus nicht bekommen.
Die Ciocia Basia heißt ein informelles Berlin-Netzwerk, das seit 2015 polnische Schwangerinnen, die in Deutschland eine Abtreibung anstreben, fördert. Hier sind sowohl polnische Frauen als auch die Deutschen beteiligt, vornehmlich Frauen und ein Mann. Barbara hat kein eigenes Arbeitszimmer, sondern nur ein Mobiltelefon, das den Überblick darüber behält, wer im Einsatz ist.
Bei Zosia sind beinahe immer ein paar bei sich. Und jetzt auch noch in einer Pizzeria in Berlin. Sie heißt nicht so wirklich Zosia. Auf einer Kundgebung für die Rechte der Frau in Berlin im Mai 2016 traf Zosia mit Aktivisten von Barbara zusammen, die sich damals mit Polinnen solidarisch zeigten, die wiederum auf die Straßen traten.
Zorn brachte die Frauen auf die Straßen - und Zosia ist immer noch außer sich, auch wenn ihre schlanke Gestalt, ihr kurzes blondes Haar und ihr mädchenhaftes Lachen es nicht auf Anhieb zeigen. Die Regierungspartei "Law and Justice" (PiS) in Polen hat sich zu diesem Zeitpunkt zurückhaltend geäußert. Mit dabei in Berlin ist auch Zosias Tochter Barbara.
Es geht nicht nur um die Demonstration für die Rechte der Frauen, sondern auch um die Umsetzung konkreter Maßnahmen. "Oft mals hat sie seither Rufe angenommen, oft die Befreiung von einer Hilfsperspektive gespürt: "Du wirst nicht allein sein. "Zosia erläutert schrittweise die Regeln, Anforderungen und wie alles klappen kann. Sie kommt nach Berlin, irgendjemand holt sie vom Hauptbahnhof ab, begleitet sie zu dem in Deutschland vorgesehenen Gespräch.
Wenn es kein Guthaben für die Fahrt und den Berlinaufenthalt gibt, nehmen wir Ihnen auch diese Sorgen von Frau Barbara ab. "In Deutschland ist die Schwangerschaftsabbruchrate wirklich nicht unter Strafe zu stellen", sagt Zosia, die durch gute Überzeugungsarbeit das allerletzte Quäntchen Misstrauen zu beseitigen sucht.
"In Polen hingegen hat sich die Problematik seit dem Fall des Kommunismus für Frauen immer mehr zu einem Problem entwickelt. Sexualerziehung ist in Polen in den meisten Fällen nicht existent. Günstige Bedingungen für unerwünschte Geburten, sagt Zosia. Es ist ihr bewusst, dass Frauen aus der mittleren Schicht Polens das alleine bewältigen können. Die Armen benötigen dringende Unterstützung, bevor sie mit " Haushaltsmitteln " den Abriss herbeiführen und sich damit auch selbst in Gefahr bringen wollen.
Aus diesem Grund werden immer wieder Frauen in Spitäler mit schweren Verletzungen aufgenommen. Deshalb tragen Frauen Bügel zu den Vorführungen mit sich. Infolgedessen sind viele Frauen bereits zu Tode geblutet. In Berlin betreut Barbara jede Woche bis zu vier Frauen. Dies soll verhindern, dass Aktivisten eine individuelle Beziehung zu ihren Kunden herstellen können. Dennoch greifen sie auf natürliche Weise die Erzählungen der Frauen an.
Zur Erinnerung an eine dreiköpfige Tochter, die unbeabsichtigterweise wieder geschwängert war. Ihre Partnerin war keine große Unterstützung, in seinen eigenen Ansichten war die alleinige Trächtigkeit ihr großes Anliegen. Während Zosia mit ihr am Telefon sprach, versuchte sie immer wieder, das Gespräch zu wiederholen. "Eigentlich hatte ich befürchtet, dass sie es tun würde", sagt Zosia und findet rasch einen Gesprächstermin bei einer der Ärzteschaften und Familienplanungsstätten, mit denen sie zusammenarbeitet.
Barbara zahlte der Patientin die Fahrt nach Berlin und den behandelnden Doktor. Die meisten der nach Deutschland kommenden Frauen sind ungewollt geschwängert worden. Wieder andere mißtrauen ihrer Ärztin in Polen. lst das Kleinkind krank? Andererseits gibt es Frauen, die bereits wissen, dass ihr Baby schwerbehindert sein wird.
Sie haben zwar nach polnischem Recht das Recht auf eine Schwangerschaftsunterbrechung, befürchten aber, dass die Mediziner die Entscheidungsfindung so lange verzögern können, bis eine Schwangerschaftsunterbrechung nicht mehr möglich ist. Von Warschau aus wurde der Falle einer Person bekannt, die ein Mädchen mit einem unterentwickelten Hirn, ohne Auge und Schnauze, das kurz darauf starb, zur Welt gebracht hat.
Nachdem eine Ermittlung ergeben hatte, dass ihr Baby nicht überlebensfähig sein würde, beschlossen die Erziehungsberechtigten, das Baby abtreiben zu lassen. Zosia erfährt immer wieder, dass die fehlende Entscheidungsfreiheit eine psychologische Belastung für Frauen ist. Polnische Frauen, die nach Berlin kommen, wollen oft nicht mehr sprechen. Weil sie keine ausreichende Empfängnisverhütung verwendet haben, es nicht geschafft haben, ein weiteres Baby aufzuziehen.
Sie wollen die Schulzeit vor der Geburt eines Kindes absolvieren. Barbara bittet nicht um viel. Der Polnische Verband für Frauen und Familie, eine renommierte Nicht-Regierungsorganisation, geht davon aus, dass jedes Jahr etwa 150000 polnische Frauen Abtreibungen vornehmen. Ob illegale Einwanderer in Polen oder im Internet. Die Tatsache, dass immer mehr Menschen in Berlin auf der Suche nach Unterstützung sind, ist eine Tendenz, die lange vor der Entstehung von Ciocia Basia ihren Anfang nahm und auch mit dem polnischen Anschluss an die Europäische Gemeinschaft zu tun hat.
Ilona ist besonders auffällig, da der deutschsprachige Markt seit der Öffnung für Polen im Jahr 2011 offen ist. Seit vielen Jahren ist Ilona in einer Pro Familia-Beratungsstelle in Berlin tätig. Schon vor Jahren wurde die in Polen geborene Frau befragt, ob sie nicht polnische Kunden betreuen dürfe. Mit zunehmender Teilnehmerzahl wurde die Website der Beratungseinrichtung endlich ins Polnische übertragen.
Sie sagen dann vielleicht, dass das, was in Polen nicht möglich ist, in Deutschland unproblematisch ist. Somit steigt auch die Anerkennung von Barbara in Polen kontinuierlich an. Mit ihrer Facebook-Seite bekennt sich die Frau zu ihrem Bestreben, den Frauenaufenthalt in Berlin so kurz wie möglich zu gestalten. Das Tantchen macht keinen Gewinn mit dem Operator.
Alle werden von dem Willen zur Hilfeleistung getrieben, unterstreicht Zosia. "Um die Aufmerksamkeit auf die Not der Frauen in Polen zu lenken, wenden Aktivisten jetzt sehr drastische Maßnahmen an. So schickt Anita Kucharska-Dziedzic in Zielona Gora, zweieinhalb Stunden mit dem Auto von Berlin weg, jeden Montagabend eine Post an die konservativen Parlamentarier in der Heimatregion.
In Zielona Gora ist sie Präsidentin des Frauenverbandes BABA, der sich für die Gewaltopfer einsetzt und sich für deren Rechte einsetzt. Sie wollen die Frauen vor den Folgen bewahren, die ihnen von denjenigen auferlegt werden, die sie nicht verstanden haben. Nach dem Rückzug der PiS-Regierung aus der Abtreibungsreform im Hochsommer 2016 drohen den betreffenden Frauen keine Freiheitsstrafen mehr.