Nach lokalen Angaben sollte sich die Überfallaktion am kommenden Donnerstag auf Vorwürfe aus dem Jahr 2015 beziehen. Am fruehen Mittag durchsuchte die Bundespolizei noch das Firmengelände in einer grossen Einkaufsstrasse in Dresden. Der Staatsanwalt gab später am Tag eine Stellungnahme bekannt. Das Fachmagazin "c't" berichtete im Sept. 2015, dass Lovoo in grossem Umfang falsche Frauenprofile verwendet haben könnte.
Aber dieser Misstrauen war der Anlass für die Suche, wie die Dresdner Generalstaatsanwaltschaft bestätigt. "Ich bin Vertreter eines Geschäftsführers von Lovoo Ltd. Auch das Dating-Portal hat einen Sitz in Berlin. Angeblich gab es administrative Unterstützung durch die Berlinische Miliz. Nach Informationen der B.Z. wird es nun auch in Berlin Untersuchungen nachgehen. Laut Lovoo hat die 2011 veröffentlichte Lovoo App mehr als 50 Mio. Benutzer auf der ganzen Welt und beschreibt sich selbst als "das am schnellsten wachsende Netz, um neue Menschen kennenzulernen".
In Dresden und Berlin sind knapp 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitarbeiten.
Lovoo Fälschungen sollen Millionen von Dollar Schaden erlitten haben.
Laut Fahndungsbefehl wurden in der Lovoo-Kontaktbörse bis zu 477 gefälschte Profile entdeckt. Dies hat die Bundesbild am Sonntagmorgen unter Bezugnahme auf das Landgericht Dresden gemeldet. Von 2013 bis 2014 sei ein volkswirtschaftlicher Verlust von fast 1,2 Mio. EUR angefallen, so der Tenor. Es ist nicht bekannt, wie viele Benutzer der Datenbank an diesen Fällen beteiligt waren.
Die Gründungsszene der Dresdner Generalstaatsanwaltschaft wollte auf die Frage der Gründungsszene hin die Daten über die Zahl der Profilen und die Höhe der Schäden nicht amtlich nachprüfen. Laut Generalstaatsanwaltschaft sind die Erkenntnisse aus der Ermittlungsentscheidung anscheinend an die sonntägliche Zeitung weitergegeben worden. Weil nur der Zeitabschnitt bis 2014 erfasst ist, konnten durch die Untersuchungen bisher weitere Fälle von Betrug festgestellt werden.
In einer Presseerklärung hatte Lovoo eine Erklärung zur Raid abgegeben: Das Partnervermittlungsportal bescheinigt darin die Suchanfragen. Lovoo führt als Grund für die Untersuchung "Behauptungen von der anonymen Partei, die erst im Jahr 2015 veröffentlicht wurden" an. Eine anonyme Person hatte die Unterlagen nicht durchsickern lassen. Die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Benjamin Bak und Alexander Friede befinden sich seit letzter Zeit in Haft, nachdem die Generalstaatsanwaltschaft eine großflächige Suche mit 200 Bediensteten in den Büros Berlin und Dresden angeordnet hat.
Zwar sei auch gegen den Mitbegründer Björn Bak ein Hausarrest erlassen worden, doch soll er sofort gegen eine Einlage von 300.000 EUR und die Herausgabe seines Ausweises freigelassen worden sein, so Bild weiter. Deshalb hatte sich Björn Bak aus freien Stücken ergeben, weil er zum damaligen Durchsuchungszeitpunkt weder im Sekretariat noch in seiner Ferienwohnung gewesen war.
Es sollen 16 Privathäuser abgesucht worden sein. Zwölf Mitarbeiter von Lovoo wurden des Betrugs verdächtigt. Sie sollen unter dem Codenamen "Tu Gutes" gefälschte Profile in Auftrag geben, um die Benutzer zu veranlassen, für Dienstleistungen zu bezahlen. Darüber hinaus kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Anwender auch Schadensersatzansprüche geltend machen.