Gegen diesen Terminus kämpften Sacher-Masoch und seine Nachfolger vergeblich; der Terminus herrschte und hielt lange Zeit an. Die Person, die dem Massenmaschismus und seiner Dichtung den Titel gab, wurde in Misskredit gebracht und schliesslich vergessen. Das kompliziertere Konzept des BDSM hat diesen Terminus in vielen Punkten ersetzt, was zum Teil auf die Arbeit von Gilles Deleuze zurückzuführen ist.
Nach ICD-10 wird Satomasochismus als "Störung der sexuellen Präferenz" (Schlüssel F65. 5) betrachtet, die wie nachfolgend dargestellt wird: Mit dem Auftreten von DSM IV im Jahr 1994 veröffentlichte die American Psychiatric Society umfangreichere diagnostische Kriterien, nach denen Satomasochismus offensichtlich nicht mehr als Erkrankung der sexuellen Orientierung betrachtet wird. Der Diagnosemasochismus (DSM IV III. 83) oder der Satismus (302. 84) darf daher im Hinblick auf die geschlechtsspezifische Manifestation dieser Erkrankungen nur dann erfolgen, wenn der Betreffende außer durch die Praxis der sadistischen oder masochistischen Praxis keine geschlechtsspezifische Zufriedenheit erlangt oder seine eigene sadistische oder masochistische Sexpräferenz verleugnet und sich unter seinen Umständen eingeschrÃ?nkt oder sonstwie darunter erkrankt fÃ?hlt (sog. "B-Kriterium").
Geschlechtspräferenzen für maskuline Praxen im Sinn von BDSM, die im gegenseitigen Einvernehmen oder gar heimlich gelebt werden, entsprechen in der Regelfall nicht den Anforderungen an die Diagnose von masochistischem Verhalten im gegenwärtigen ärztlichen Sinn und sind eine sozial unterschiedliche, aber nicht ungewöhnliche Form der Individualsexualität. Der Übergang zwischen individueller Ausgeprägtheit der Geschlechtlichkeit und Störungen der sexuellen Präferenz kann jedoch nicht in allen FÃ?llen gefahrlos bestimmt werden.
Es kommt jedoch zu einer Überschneidung von Störungen der Sexualpräferenz und der Praxis sadomasochistischer Praxen. Die masochistischen Praxen können zu einer Vielzahl von Schäden führen (z.B. als eine spezielle und nicht überwiegend geschlechtsspezifische Masochismusform können auch Kompensationsmaßnahmen für Selbstverletzungen betrachtet werden). Der Masochist empfindet Sexualbefriedigung in einer Situation der Erniedrigung, Bedrängung oder des Schmerzerlebnisses.
Auch hier kommt es zu einer Selbstverletzung, aber meist nicht als kompensatorischer Akt, sondern als Teil des Geschlechtsaktes. Dies ist zu unterscheiden von kompensatorischem Massenmaschismus, bei dem masochistische Akte nicht als Initiation oder Mittel zur Ausführung von Sexualakten, einschließlich Geschlechtsverkehr, durchgeführt werden, sondern diese ablösen. Oft ist die Therapie des Massenmissbrauchs lange und kompliziert; experimentell mit psychotherapeutischen Maßnahmen.
Quelltexte zur begrifflichen Geschichte des Maßlosigkeit. Massenmissbrauch und Soziales. Léon Wurmser: Das Geheimnis des Massenmaschismus: New York 1941. Die psychoanalytischen Arbeiten zu Über-Ich-Konflikten und Maschismus. 1998; Neuauflage der zweiten, korrespondierenden Ausgabe. unter dem Titel: The riddle of masochism.