Anlass genug, meine ersten Gehversuche als investigative Journalistin auf extrem rutschigem Gelände zu unternehmen. Du gehst unwillkürlich in eine Praxis, masturbierst in einen Cup und bekommst einen kleinen Geldbetrag auf deine Handfläche für deine Mühen. Ein klassischer Win-Win-Situation: Gutes tun - schließlich ermöglichen Sie es jemandem mit guten Erbanlagen, eine Gastfamilie zu begründen - und dabei bares Geld mitzubringen.
Wenn ich meine Bewerbungsunterlagen bei der Kanzlei Dr. Fuhr in Schaffhausen einreichte, erschien es mir zum ersten Mal unangemessen, über das Thema Spende zu sprechen. Schließlich bewirbt er mit Offensive, dass er für eine Dosis perfekten Genmaterials bis zu 3000 Francs rappt - allerdings nicht für die Verladung der bis zu 160 Mio. Samen zellen in die Tasse, sondern für "die aufgetretenen Aktivitäten".
Das Sperma nimmt ständig ab, die Ärztinnen und Ärzteschaft beschwert sich in ganz Europa. Der Bedarf ist einfach zu niedrig für alle anderen. Wird man eines Tage in der Lage sein, über den Saatgutpreis zu deuten? Als Frauenärztin hat sich Frau Dr. F. Fehr auf " Spenderbesamungen " konzentriert und ist damit mehr als beschäftigt. Mit der obligatorischen Infobroschüre und dem Vermerk, dass die von ihm aufgestellte Datenbasis derzeit ausreicht, um der steigenden Anfrage gerecht zu werden, reagiert er sofort und prägnant auf meine Anfrage - seine Kanzlei beraet im Durchschnitt ein Pärchen pro Tag.
Das Lieferkettenmanagement funktioniert gut und die Spendenbereitschaft der Schweizern ist größer als ich gedacht habe. "â??Es gibt im Grunde drei Arten von MÃ?nnern, die bei uns nachfragenâ??, sagt mir ein Mitarbeiter der Kanzlei und bestÃ?tigt meine These, die ich in guter, altbewährter "Blick auf den Abend" Schubladenmanier aufgebaut habe: Es ist seine Absicht, einem enttaeuschten und hoffnungslosen Ehepaar neue Lebenskraft und Hoffnungsgrund zu geben.
Sein Mut ist jedoch begrenzt, denn der Mangel an Diskretion ist ein wirklicher Anlass, sich zurückzuziehen. Ich muss mir unweigerlich ausmalen, dass die vier Jungs im Behandlungsraum beinahe verschwanden und die Tasse nach ein paar Min. wieder abgeben. Ich würde als Ehefrau noch einmal darüber nachdenken, ob dies wirklich der gentechnische Ursprung meines künftigen Sohnes sein sollte.
Ich denke da an eine etwas zweifelhafte Praktik, die der Krise in Spanien zum Opfer fiel und heute als experimentelles Labor für den Médico und seine Testpersonen aus ganz Europa diente. Natalia und der geldgierigen Lucía, müsste ich mir einen Ruck geben und damit auskommen, dass das Ergebnis dann in die ganze Welt verschickt wird.
Im Gegensatz zur Schweiz lassen die liberal erengetisch orientierten Nordländer es nicht zu, dass Ehepaare künstlich mit meinem Erbmaterial im herkömmlichen Sinne der Heirat besamt werden. "Hier in Dänemark steht jeder Frauen, auch Single- und Lesbenpaaren, die Gelegenheit offen, eine eigene Gastfamilie zu gründen", sagt die sympathische Geburtshelferin aus einer privaten Klinik in Kopenhagen am Handy.
Um so mehr überrascht mich die Preisinformation: Die Dame bezahlt 550 EUR für einen anonyme Saatgut, 820 EUR für einen nicht-anonyme Saatgut. Selbstverständlich erhalten Sie die Auflistung aller nach Haus geschickten Bewerber und können die Haarfarbe, den Berufsstand und die Größe Ihres Kindes in aller Stille auf dem Sofabett wählen. Auch wenn noch einige Bedenken bestehen, bin ich überrascht, wie offen und kompetent Sie mit der Samenspende sein können und großen Wert auf ehrliche Spender und fürsorgliche Mütter legen, für die ein Traum des Lebens wahr werden kann.