"Wenn jemand zu den Spiele geht, wird ihn der Ausdruck "Held" wie ein Rechercheauftrag begleiten; er wird herausfinden müssen, was das bedeutet. Hierfür ist Olympia das geeignete Forschungslabor, in dem sich die Heroen, über die man schreibt, schreibt und spricht und über die man redet, vor allem bei Olympia, immer leicht einfinden.
War er nicht einmal, bewußt grosszügig ausgedrückt, der Sportheld: ein vorbildlich? Und wer litt heute bei Olympia mit seinen Vorbildern? Dies ist gewissermaßen die Grundlage des Sportes, seine tiefergehende Rechtfertigung, die große Idee: dass man sich gegeneinander mißt, und während man sich selbst mißt, befolgt man auf freiwilliger Basis die Spielregeln.
Von den Athleten, Rollenvorbildern, Helden geht so eine Realisierung in das Bewußtsein der Öffentlichkeit über. Den allerersten Menschen, den man in Peking trifft, ist einer aus der Schaufenster-Abteilung. Jeder sah ihn, Pita Nikolas Taufatofua war der einzige Anlasser der Polynesier Wintersport-Nation Tonga, der mit seinem blanken, geölten Körper in das Olympiastadion eindrang, während auf der Zuschauertribüne jeder seinen Nacken und andere gefährdete Körperpartien in mehrere Tücher gehüllt hatte.
So geölt wie bei den Olympischen Spielen in Rio, wo er in der damals für Furore sorgenden Sportart Tekwondo antrat. Im Pyeongchang beginnt sie als Langläuferin und damit in der Funktion des "tonganischen Kulthelden" (Herald Sun). Im Pyeongchang keuchen die Loipenfahrer die 15 km hinunter, ein ecuadorianischer 112., der Mann aus Tonga 114., ein kolumbianischer 115., zusammen wartet man auf den letzten, einen 43-jährigen (und damit sehr alten) mexikanischen Teilnehmer im Zieleinlauf.